Farbenkanon        

 

 

„Verfertige den Efodmantel (Obergewand des Hohepriesters) ganz aus violettem Purpur.“

(Ex 28,31 EU)

 

RÜCKBLICK:

 

Die kirchlichen Paramente, wie z. B. die liturgischen Gewänder der Kleriker und die Altartücher, waren in der Regel von weißer Farbe. Die textilen Insignien der Geistlichen (Stola, Meßgewand, Pulviale, Manipel, Dalmatik, usw.) hingegen waren gefärbt oder mit bunten Fäden bestickt.

Im Hochmittelalter entwickelten sich Farbensymboliken (z. B. Papst Innozenz III.: De sacro altaris mysterio 1,I,65): Man begann ausgewählte Farben enstprechenden Kirchenfesten zuzuordnen.

Der  r ö m i s c h e  Farbenkanon – außer weiß – entspricht jenen Farben, die man aus dem Sekret der Purpurschnecken herstellen konnte. Entsprechend der Menge des hinzugefügten Farbstoffs konnten folgende Textilfarben erzeugt werden: Rosa, Rot, Violett und Schwarz.

Grün entstand durch die Verwendung von Meerwasser oder Mineralien.

 

 

Mit der Veröffentlichung des Missale von Papst Pius V. (1570) wurden die liturgischen Farben verbindlich vorgeschrieben – und Lokaltraditionen verdrängt:

- Weiß: Weihnachts- und Osterzeit, Herren- Marien- und Heiligenfeste,  

      Gründonnerstag

- Rot: Apostel- und Martyrerfesten, Pfingstwoche

- Violett: Advents- und Fastenzeit, Bittprozessionen, Herbstquatember

(- Rosa: Dritter Adventssonntag, vierter Fastensonntag)

- Schwarz: Karfreitag, Totenmessen

- Grün: Gewöhnliche Sonn- und Wochentage

 

In einigen Regionen (z. B. Bayern und Spanien) konnten (hell-)blaue Paramente für Marienfeste verwendet werden.

 

Für die Spendung von Sakramenten und Sakramentalien entwickelte sich folgende Farbregel:

- Taufe: 1. Teil der Feier: Violett; 2. Teil: Weiß

- Beichte: Violett

- Trauung: Weiß 

- Krankenkommunion: Farbe des Tages oder Weiß

- Letzte Ölung: Violett

- Kinderbegräbnis: Weiß

- Erwachsenenbegräbnis: Schwarz

- Sakramentalien: Farbe des Tages oder Weiß

- usw.

 

Auch den einzelnen Ständen des höheren Klerus wurden Farben zugewiesen:

- Papst: Weiß

- Kardinäle: Rot

- Bischöfe: Grün bzw. Violett

- usw.

Diese Standesfarben fanden sich auch in der Alltagskleidung der Geistlichen (z. B. Soutane) und deren Wappen wieder.

Die Trauerfarbe der Päpste war Rot und der Kardinäle Violett.

 

 

GEGENWART:
 

 

Regelung von 1970:

 

- Weiß: Oster- und Weihnachtszeit, Feste des Herrn, Mariens, der Engel  

      und heiligen Nichtmartyrer; Allerheiligen, Geburt Johannes des  

      Täufers, Evangelist Johannes, Kathedra Petri, Bekehrung des    

      Apostels Paulus

- Rot: Palmsonntag, Karfreitag, Apostel, Evangelisten, Martyrer

- Grün: Sonn- und Wochentage im Jahreskreis

- Violett: Advents- und Fastenzeit (Meßfeier für Verstorbene)

(- Schwarz: Meßfeier für Verstorbene)

(- Rosa: Dritter Adventssonntag, vierter Fastensonntag)
 

Die Bischofskonferenzen können weitere Regelungen treffen.

 

Die Trauerfarben der Päpste und Kardinäle wurden abgeschafft. Trotzdem werden die verstorbenen Päpste auch weiterhin in einem roten Meßgewand beigesetzt.