Fasten

 

 

"Es ist gut, zu beten und zu fasten,  

barmherzig und gerecht zu sein.“

(Tob. 12,8a EU)

 

RÜCKBLICK:

 

Das Fasten wurde mit vermehrtem Gebet und Werken der Barmherzigkeit verbunden.

 

Vom Fasten erhoffte man sich unter anderem eine Verstärkung des Gebets und einen klaren Geist. 

 

Die Fastenordnungen waren regional und temporal unterschiedlich!

 

Hier folgt nun trotzdem der Versuch, einer allgemeinen Darstellung der Fastenordnungen.

 

Grunsätzlich wurde unterschieden zwischen:

 

A) Abstinenz:

Der Verzicht auf bestimmte Speisen:

I. Fleisch

(II. + Fisch)

(III. + Milchprodukte und Eier (-> entsprach vielerorts dem Fasten „bei Wasser und Brot“))

 

B) Fasten:

Die Reduzierung der Nahrungsaufnahme – ganz oder teilweise:

Üblicherweise wurde an Fasttagen am Nachmittag eine kleine Mahlzeit eingenommen (Abbruchfasten).

 

Die Intensität des Fastens richtete sich nach den entsprechenden Fasttagen.

 

Die Klöster hatten ihre eigene - wesentlich strengere - Fastenordnung.

 

Absolutes Minimum war der Verzicht auf Fleisch in der Großen Fastenzeit.

 

Fast- und Abstinenztage zugleich waren regelmäßig:

- Zu Beginn einer Fastenzeit (z. B. Aschermittwoch)

- Karfreitag (& Karsamstag)

 

Anlässe, zu welchen gefastet wurde (Auswahl):

 

* Als Zeichen der Reue und Umkehr:

Das Fasten wurde dem Sünder regelmäßig im Rahmen des Bußsakramentes auferlegt.

 

* Eucharistische Nüchternheit:

Vor dem Kommunionempfang wurde regelmäßig, vom Vorabend an, auf die Einnahme von Nahrung verzichtet.

 

* Wochentage:

Seit frühkirchlicher Zeit fasteten die Christen am Mittwoch und Freitag.

Im Abendland kam der Samstag hinzu.

 

* Große Fastenzeit:

Als imitatio Christi (Mt 4,1-11) wurde eine vierzigtägige Fastenzeit eingeführt. Diese wurde dem Osterfest vorangestellt.

Am Ende der Großen Fastenzeit (Osternacht) wurden die Fastenspeisen (Lammfleisch, Schweinefleisch, Käse, Butter, Eier und Brot) zur Kirche gebracht, und vom Priester gesegnet. Daran erinnern noch die gefärbten Ostereier. 

Dieser österlichen Fastenzeit ging mancherorts eine weitere Fastenzeit  

(= Vorfastenzeit) voraus.

Der Ortsbischof veröffentlichte jedes Jahr einen Fastenbrief („Fastenmandat“), in welchem das Fasten für die Quadragesima geregelt wurde. Die heutigen Hirtenbriefe rufen zu Spenden für bestimmte Projekte der Diözese auf (Bettelbriefe).

 

* Advents- oder Martinifasten:

Auch auf das Weihnachtsfest (25. Dezember) (bzw. Theophanie (6.Januar)) bereitete man sich durch Fasten vor.

Im Abendland war diese Fastenzeit (im ersten Jahrtausend) uneinheitlich: Sie reichte - je nach Region - von zwei (Bobbio) bis sechs (Mailand) Wochen.

In Rom begann das Fasten auf Christi Geburt am Sonntag nach Katharina (25. November).

In Gallien wurde ab Martini (11. November) gefastet. Reste dieses Brauchs finden wir im rheinischen Karneval am 11.11. und der Martinsgans.

Fasttage waren Mittwoch, Freitag und Samstag.

Das Adventsfasten (außer Freitags) wurde im 18. / 19. Jahrhundert aufgegeben.

 

* Quatember:

Stadtrömischen Ursprungs ist das Wochenfasten im März, Juni, September und Dezember (Sach 8,19). Hierbei fastete man jeweils eine Woche am Mittwoch, Freitag und Samstag. Die Frühlings- und Winterquatember fielen sowieso in die Große Fasten- bzw. Adventszeit.

Praktischerweise wurden in Rom die Priesterweihen in die Quatemberwochen verlegt (Mittwoch: Wahl der Priester; Freitag: Überprüfung der Weihekandidaten (Skrutinium) & Samstagsvigil: Priesterweihe). In der jeweiligen Woche wurden am Mittwoch (S. Maria Maggiore), Freitag (SS: Apostoli) und Samstag (S. Pietro in Vaticano) Stationsgottesdienste gefeiert. Die Vigil des Samstagabends ersetzte dabei die Meßfeier des folgenden Sonntags (domenica vacans).  

 

* Vigilfasten:

Fasten vor bestimmten Hochfesten (z. B. am Vorabend von Peter und Paul: 28. Juni). Um das Fasten zu verkürzen, wurden die Vigilgottesdienste mit der Zeit am Vormittag gefeiert.

 

* Priesterweihen:

Die Priester bereiteten sich durch Fasten auf ihre Weihe vor (Apg 12,2-3). Siehe Quatember.

 

* Vor einer Weihe:

Zum Beispiel fastete eine Kirchengemeinde am Vortag der Weihe ihrer neuen Kirche.

 

* Bittprozessionen:

In Zeiten der Not (z. B. nach Ausbruch der Pest) wurde gefastet, und Bußprozessionen abgehalten.

Zu dieser Kategorie zählen auch die allgemeinen Flurprozessionen am 25. April (laetanie maior) und an den drei Tagen vor Christi Himmelfahrt (Rogationen).

 

* Exorzismus:

Nach Mk 9,29 bereitete sich der Exorzist durch Fasten und Gebet auf den Exorzismusritus vor.

 

* Gelübde

 

* Freiwillig

 

 

Bild:  

 

Das Füllhorn wird über die Personifikationen von Gebet,  

Fasten und Almosengeben ausgeschüttet. 

 

 

 

 

Dispens:

- Vom Fasten grundsätzlich ausgenommen waren Kinder, Alte,  

      Kranke, usw.

- Das Fasten entfiel an vielen Hochfesten

- Mancherorts wurde an Sonntagen [und in der Osterzeit] nicht  

      gefastet.

Die Entbindung vom Fasten konnte der Papst, Ortsbischof oder Beichtvater gewähren.

 

Geschichtliche Weiterentwicklung:

Seit dem Spätmittelalter begann die strenge Fastenpflicht zu bröckeln.

So gestattete beispielsweise der Papst in „Butterbriefen“ gegen eine Abgabe (z. B. für den Kirchebau) das Essen von Milchprodukten. [So konnte man nun für das Backen des Christstollen Butter statt Rübenöl verwenden.]

Auch heute noch ruft die Kirche im Advent (Adveniat) und in der Großen Fastenzeit (Misereor) zu Spenden auf.

 

Fasttage waren mancherorts gekennzeichnet durch:

- Liturgische Farbe: Violet

- Reduzierung von Orgelmusik und Blumenschmuck im Gottesdienst

- Der Allelujagesang vor dem Evangelium wurde (meistens) durch das  

      Traktuslied ersetzt.

- Diakon und Subdiakon trugen die Planeta plicata (Meßgewand -      

      entweder gerollt oder vorne etwas hochgebunden)

- Stationsgottesdienste: Der Bischof feierte mancherorts die  

      Fastengottesdienste in verschiedenen Kichen der Stadt.

- Verbot der Hochzeitsmesse bzw. des Brautsegen

- usw.

 

GEGENWART:

 

Dispens für Kranke, Kinder, Jugendliche und Ältere.

 

Eucharistische Nüchternheit: Mindestens eine Stunde vor Kommunionempfang.

 

Weisung der Deutschen Bischofskonferenz:

 

1. Fast- und Abstinenztage:

- Aschermittwoch und Karfreitag

- Einmalige Sättigung

- Verzicht auf Fleischspeisen

 

2. Fastenopfer:

- Abgabe eines spürbaren Geldopfers am Ende der Großen Fastenzeit für  

     Bedürftige.

 

3. Freitage des Jahres (außer, wenn sie auf Hochfeste fallen):

- Freitagsopfer (verschiedene Formen möglich: Fleischverzicht, Werke der         Nächstenliebe, Konsumeinschränkung, Geldopfer für Notleidende,  

      Gebet und andere Frömmigkeitsübungen)

 

Die klösterlichen Orden haben ihre eigenen  Fastenregelungen.