Kirchengesang        

        


„Flöte und Harfe verschönern das Lied,

doch mehr als beide eine reine Stimme.“

(Sir(Ekkl) 40,21 EU)

 

RÜCKBLICK:

 

Der ursprüngliche Kirchengesang des Abendlandes war:

- Einstimmig

- Ohne Begleitung

- In lateinischer Sprache

 

Er war mit der byzantinischen Musik verwandt, und hatte regionale Ausprägungen:

- Rom (Gregorianischer Choral)

- Mailand (Ambrosianischer Choral) (1)

- Toledo (Mozarabischer Choral)

- usw.

 

(1) Augustinus (conf  9.7) erwähnt, daß Mailand den ostkirchlichen Kirchengesang eingeführt hat, welcher sich von dort aus verbreitete.

 

Grundlegende Gesangsarten:

- Concentus: Bei der Komponierung von Gesangsstücken bestimmten lediglich der Inhalt und die Rhythmik des Textes die Vertonung!

 

- Accentus: Beim Singen von Psalmen, Lesungen, Gebeten, usw. ergab sich aus der Satzgliederung (Satzanfang, Satzende, usw.) die Melodie.

 

- Hymnen: Die Kirchenlieder bestanden aus mehreren Strophen mit jeweils gleichem Versmaß und Melodie.

 

Im Frühmittelalter gelangte der Gregorianische Choral ins Frankenreich:

- Es enstanden Zentren für den Greg. Choral (St. Gallen, Reichenau,  

      Metz, usw.)

- Systematisierung d. Gesänge (z. B. Eingruppierung der Gesänge in  

      8 Kirchentöne / Modi)

- Schriftliche Fixierung der Melodien (Neumen -> Diastematie ->  

      Quadratnotation)

- Einfühung von Sequenzen (diese entwickelten sich mit der Zeit  

      zum Hymnus)

- Einfügung von Texten oder Melodien in bestehende Gesänge (Tropen)

- Beginnende Mehrstimmigkeit

- Beginnende Orgelbegleitung

 

 

Die Gesänge des Gregorianischen Chorals können wie folgt aufgeteilt werden:

- Zuruf - Antwort (Akklamationen: Z. B.: Versikel, Allerheiligenlitanei, ...)

- Gesungener Vortrag (Cantillation) von Lesungen und Gebeten

- Gesang aus der hl. Schrift (Psalmen, Cantica, usw.)

- Antiphon (Begleitvers zu Psalmen und Cantica)

- Gleichbleibende Gesänge (Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Agnus Dei,  

      Te Deum, usw.)

- Antwortgesang nach der Lesung (Responsorium, Graduale)

- Gesang vor dem Evangelium an Tagen der Buße oder Trauer (Traktus)

- Gesang zum Alleluja vor dem Evangelium (Sequenz)

- Hymnen zum Stundengebet

- Marianische Antiphone

Die gregorianischen Meßgesänge wurden im „Graduale Romanum“ aufgezeichnet, und die Offiziumsgesänge im „Antiphonale Romanum“.

 

Die abendländische Kirchenmusik hat mehrere Entwicklungsstadien durchlaufen. Die volle Entfaltung erfuhr die Musica sacra in der mehrstimmigen Vokalmusik mit Instrumentalbegleitung.

 

Die Verwendung der Orgel als liturgisches Begleitinstrument setzte sich endgültig in der Barockzeit durch. Sie fand üblicherweise in der Westempore ihren Platz.

 

Aus den Reimsequenzen und Hymnen sind deutschsprachige Kirchenlieder hervorgegangen. Zusätzlich entstanden deutsche Meßreihen (z. B. „Schubertmesse“). Diese wurden zusammen mit den Kirchenliedern seit dem 19. Jahrhundert in diözesanen Gebets- und Gesangsbüchern abgedruckt. Nun hatten die Gläubigen teilweise die Möglichkeit, durch mitlesen, beten und singen den priesterlichen Gottesdiensten passiv zu folgen.

 

Im Zusammenhang mit den unterschiedlichen Choralgesängen entstanden mit der Zeit verschiedene Meßfeiern:

- Stille Messe: Ohne Gesang

- Betsingmesse: Das Kirchenvolk singt deutsche Meßgesänge

- Hochamt: Der Kirchenchor singt einen mehrstimmigen Choral

- Konventamt: Der Mönchschor singt die Meßfeier im Greg. Choral

 

GEGENWART:

 

Der Choralgesang besteht heute überwiegend aus deutschen Kirchenliedern. Diese werden aus dem katholischen Kirchengesangsbuch „Gotteslob“, und ergänzenden Liederbüchern, entnommen.

Festliche Gottesdienste werden häufig von Chören gesungen. Je nach Ausrichtung der einzelnen Chöre, kann ihr Repertoire vom Gregorianischen Choral - über Palestrina - bis hin zu Taizégesängen reichen.