Leseordnung der Meßfeier
                    

        

„Hört das Wort des Herrn, ganz Juda, alle, die ihr durch diese Tore kommt, um dem Herrn zu huldigen.“ 

(Jer 7,2b EU)

 

RÜCKBLICK:

 

Im Grunde genommen gibt es zwei getrennte Leseordnungen: Für die Meßfeier und für das Stundengebet (Matutin/Lesehore: siehe dort).

 

Im Abendland setzte sich die lateinische Bibelübersetzung des Hieronymus (Vulgata) durch.

 

Bis zur letzten Liturgiereform wurden in den römischen Meßfeiern nur zwei Lesungen vorgetragen:

- Epistel (Apostegeschichte, Briefe, Offenbarung des Johannes) (1), (2)

- Antwortgesang (Graduale) nach der Epistel (3)

- Alleluja-Gesang (4) (bzw. Traktus (5)) vor dem Evangelium

- Evangelium (6), (7)

 

[(1) Die Epistel wurde bei feierlichen Meßfeiern vom Subdiakon vorgetragen.

(2) An den Wochentagen der Großen Fastenzeit, am Quatembermittwoch, Quatemberfreitag und an einigen Heiligenfesten wurde die Epistel durch eine Prophetie ersetzt.

(3) Beim Graduale handelt es sich um die Kurzform eines responsorialen Psalms. Es wurde in der Osterzeit nicht gesungen.

(4) Aus der Melodie des Allelujagesangs sind Sequenzen hervorgegangen. Diese Lieder waren im Mittelalter sehr beliebt, und nahmen im Laufe der Zeit die Form von Hymnen (Reimsequenzen) an. Ihre Zahl wurde 16. Jahrhundert auf vier reduziert. Die bekannteste Sequenz ist das „Veni, Sancte Spiritus .../ Komm Schöpfer Geist ...“

(5) Der Traktus ersetzte in der Großen Fastenzeit und bei Totenmessen das Alleluja. Er bestand aus mehreren Psalmversen.

(6) Vor, bzw zum Evangelium, wurde bei festlichen Gottesdiensten Weihrauch gespendet. Aufgabe des Diakons war es, die Frohbotschaft in der Meßfeier zu verkünden.

(7)  Bei den Meßfeiern der Päpste wurden die Lesungen zum Teil in griechischer und lateinischer Sprache vorgetragen. Wegen dieser Verdopplung wurde die Anzahl der Lesungen reduziert.]  

 

Prophetien (Texte des Alten Testaments) wurden ursprünglich nur in Abendgottesdiensten gelesen – z. B.:

- Osternacht, Pfingstvigil, Quatembersamstag (Vigilien)

- Mittwoch der vierten Fastenwoche, Karmittwoch, Quatembermittwoch,  

      Karfreitag   

Diese Prophetien waren meist mit einem Antwortgesang und Kniebeugungsgebet verbunden, und wurden vor der eigentlichen Meßfeier gelesen.

 

Die Lesungen richteten sich in der Großen Fastenzeit an die Taufbewerber (Katechumenen) und Büßer (Poenitenten) – und in der Osterwoche an die Neugetauften (Neophyten).

Die Gottesdienste fanden während dieser Zeit täglich in einer anderen Kirche Roms statt (Stationsgottesdienste). All diese Umstände spielten bei der Wahl der Gottesdiensttexte eine große Rolle!!!

[Beispielsweise fand kurz vor dem Passionssonntag (Freitag nach dem vierten Fastensonntag) ein Stationsgottesdienst in der römischen Eusebiuskirche statt. Diese stand über einem alten Friedhof. Deshalb wurde passend die Perikope von der Wiederbelebung eines Knaben durch Elias (1Kön(3Kön)  17,17-24) und die Auferweckung des Lazarus (Joh 11,1-45) für diesen Tag ausgewählt.]

 

Ein typisches Kennzeichen des römschen Ritus war es, daß fast alle heilsgeschichtlich bedeutenden Evangelienperikopen an Sonntagen und in den Quatemberwochen verkündet wurden (Bsp.: Passion am Palmsonntag).

Grundstruktur:

* Erwartung der Ankunft Christi (Advent)

* Erscheinung des Herrn (Weihnachtszeit)

* Öffentliches Wirken Christi (Sonntage nach Epiphanie und Pfingsten)

Durchbrochen wurde diese Perikopenreihe durch den Osterkreis (vom ersten (Vor-) Fastensonntag bis Pfingsten bzw. Dreifaltigkeitssonntag).

 

 

GEGENWART:

 

 

Zur Zeit wird die Einheitsübersetzung (EU) für die Gottesdienste im deutschsprachigen Raum verwendet.  

Diese basiert auf:

- Protokanonische Bücher des Alten Testaments: Hebräische und  

      aramäische Urtexte

- Deuterokanonische Bücher des Alten Testaments: Griechische Urtexte

- Bücher des Neuen Testaments: Griechische Urtexte

 

Die Revision der Einheitsübersetzung von 1978 soll in Kürze erscheinen.

 

Das Perikopensystem der römisch-katholischen Kirche wurde im vergangenen Jahrhundert völlig umstrukturiert. Hier einige Grundstrukturen:

 

Wochentage im Advent:

- 1. Lesung: Jesaja

- Evangelium: Matthäus oder Lukas

 

Weihnachtszeit:

- 1. Lesung: 1 Johannes

- Evangelium: Aus allen vier Evangelien

 

Wochentage in der Fastenzeit:

- 1. Lesung: Aus dem Alten Testament

- Evangelium: Matthäus, ab 4. Fastenwoche: Johannes

 

Wochentage in der Osterzeit:

- 1. Lesung: Apostelgeschichte

- Evangelium: Johannes

 

Wochentage im Jahreskreis:

1. Lesung: 1. Lesejahr: Altes oder Neues Testament (Hebräer, Genesis,  

      Sirach, usw.)

1. Lesung: 2. Lesejahr: Altes oder Neues Testament (Samuel, Könige,  

      Jakokus, usw.)

Evangelium: 1. & 2. Lesejahr: Markus, Matthäus, Lukas (fortlaufend)

 

 

Sonntage im Jahreskreis:

 

Lesejahr A:   2011, 2014, 2017, usw.

1. Lesung: Altes Testament (1)

2. Lesung: Neues Testament (2) (1 Korinther, Römer, Philipper,  

     1 Thessaloniker)

3. Lesung: Matthäus

 

Lesejahr B:   2012, 2015, 2018, usw.

1. Lesung: Altes Testament (1)

2. Lesung: Neues Testament (2) (1 Korinther, 2 Korinther, Ephesser,  

      Jakobus, Hebräer)

3. Lesung: Markus und Johannes

 

Lesejahr C:   2010, 2013, 2016 usw.

1. Lesung: Altes Testament (1)

2. Lesung: Neues Testament (2) (1 Korinther, Galater, Kolosser,  

      Hebräer, usw. )

3. Lesung: Lukas

 

[ (1) Die Lesungen des Alten Testaments wurden passend zum Evangelium ausgewählt. Man wählte hierfür bevorzugt belehrende und seelsorgliche Texte (z. B. Jesajaperikopen) aus.

(2) Ungeachtet des Evangeliums wurden Abschnitte aus den Apostelbriefen ausgesucht, welche christologische Bekenntnisse besitzen.]

 

Fastensonntage:

1. Fastensonntag: A, B, C: Vierzigtägiges Fasten Christi

2. Fastensonntag: A, B, C: Verklärung Christi

3. – 5. Fastensonntag: Themen:

- Lesejahr A: Taufe

- Lesejahr B: Kreuz

- Lesejahr C: Buße

Palmsonntag: A, B, C: Passion Christi

 

Ostersonntage:

1. Lesung: Apostelgeschichte

2. Lesung: A: 1 Petrus; B: 1 Johannes; C: Offenbarung

3. Lesung: Evangelium: Selbstoffenbarung Christi 

 

 

Auch für die restlichen Sonntage, Hochfeste und Feste sind festgelegte Perikopen vorgesehen.

 

Für weitere Gottesdienste (Heiligenfeste, Votivmessen, Sakramentenspendungen, usw.) stehen Texte zur Auswahl zur Verfügung.

 

 

 

[Q.: Meßlektionar:

Band I: Lesejahr A für Sonn- und Festtage

Band II: Lesejahr B für Sonn- und Festtage

Band III: Lesejahr C für Sonn- und Festtage

Band IV: Geprägte Zeiten (=Advents-, Weihnachts-, Fasten- und    

     Osterzeit)

     & Heiligengedenktage: 30. Nov. - 8. Jan.; 8. Feb. - 9. Jun.

Band V: Wochentage der 1. - 17. Woche im Jahreskreis

     & Heiligengedenktage: 13. Jan. - 9. Mrz.; 16. Mai – 6. Aug.

Band VI: Wochentage der 18. – 34. Woche im Jahrekreis

     & Heiligengedenktage: 31 Jul. – 2. Dez.

Band VII: Sakramente und Sakramentalien. Für Verstorbene.

Band VIII: Messen für besondere Anliegen. Votivmessen.

Sonderband: Marienmessen]