Ritenkreise

        

„Denn vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang steht mein Name groß da bei den Völkern,

und an jedem Ort wird meinem Namen ein Rauchopfer dargebracht

und eine reine Opfergabe.  

(Mal 1,11 EU)

 

RÜCKBLICK:

 

Mit der Ausbreitung des Christentums entstanden lokale Ausformungen der Gottesdienste.

Nach verschiedenen Austausch- und Verschmelzungsprozessen kam es zur Bildung von regional einheitlichen liturgischen Handlungen (Ritenkreise).

 

 

 

Kurze Bemerkungen zu den einzelnen Riten:  

 

A Römischer Ritus:

(siehe dort)

 

B Byzantinischer Ritus:

Der byzantinische Ritus der oströmischen Kaiserstadt Konstantinopel zählt zur antiochenischen Ritenfamilie.

Um die erste Jahrtausendwende entstand eine Verschmelzung aus byzantinischem und hierosolymatischem Ritus, und der Vereinigung von Gemeinde- und Mönchsliturgie.

Aus dieser Synthese ist ein harmonischer Ritus hervorgegangen.

Die anderen griechisch-orthodoxen Patriarchate (Alexandria, Antiochien und Jerusalem) haben diesen byzantinischen Ritus im 13. Jahrhundert übernommen, und ihre eigene Tradition (z. B. Jakobus- und Markusliturgie) aufgegeben.

Im Zuge der Missionierung Osteuropas verbreitete sich der byzantinische Ritus (in altbulgarischer Sprache) unter den slawischen Völkern.

Seit der Plünderung Konstantinopels 1204 durch Kreuzfahrer (4. Kreuzzug) und Venezianer nimmt die Zahl der byzantinischen Christen Kleinasiens stetig ab.

 

C Alexandrinischer Ritus:

Der ägyptische Ritus weist Gemeinsamkeiten mit der römischen und antiochenischen Liturgie auf.

Ein Großteil der ägyptischen Christen („Kopten“) lehnte das Konzil von Chalkedon (451) ab. Sie blieben dem koptischen Ritus treu, und fügten westsyrisches Material ein.

Dieser Ritus ist in seinem Kern bis heute archaisch geblieben.

Von Alexandria aus wurde Äthiopien bereits im 4. Jahrhundert erfolgreich missioniert.

Die Äthiopier haben den koptischen Ritus übernommen, umgestaltet und weitere Komponenten (z. B. äthiop. Hymnen) aufgenommen.

 

D Westsyrischer Ritus:

Der westsyrische Ritus zählt zur antiochenischen Ritenfamilie.

Er wird von mehreren syrischen Kirchengemeinschaften („Melkiten“, „Jakobiten“ und „Maroniten“) verwendet.

Außerdem hat ein Teil der Thomaschristen (Malabaren) in Indien den westsyrischen Ritus im 17. Jahrhundert angenommen.

Auf syrisch-palästinensischem Boden sind viele Kirchengesänge hervorgegangen.

 

E Hierosolymatischer Ritus:

An den heilsgeschichtlichen Orten fanden an den entsprechenden Festtagen des Kirchenjahres unter der Leitung des Bischofs von Jerusalem Stationsgottesdienste statt (Bsp.: Feier der Auferweckung des Lazarus in Bethanien am Samstag vor Palmsonntag). Kern dieser Feiern war der Vortrag des Festevangeliums. Hinzu kamen passende Lesungen, Psalmen und Hymnen. Bereits Ende des vierten Jahrhunderts waren diese Stationsgottesdienste weitgehend ausgebildet. Im Mittelalter wurden diese Stationsgottesdienste in das byzantinische Stundengebet (Horologion) integriert.

Jerusalem besaß einen eigenen Meßritus: Jakobusliturgie. Diese verbreitete sich unter den altorientalischen Riten (so wird z. B. das Hochgebet der Jakobusliturgie von den syrischen Jakobiten verwendet). Bei den Griechen in Jerusalem verdrängte die byzantinsche Basilius- und Chrysostomusliturgie die Jakobusliturgie.

 

F Ostsyrischer Ritus:

Kerngebiet des ostsyrischen Ritus ist das Zweistromland (Assyrien, heute Irak).

Die assyrische Kirche trennte sich im 5. Jahrhundert von der Reichskirche.

Sie missionierte bis nach China und gründete viele Kirchengemeinden in Asien. Diese wurden durch Mongoleneinfälle im 14.Jahrhundert zerstört. Lediglich die Kirche der Thomaschristen an der südindischen Malabarküste (Bundesstaat Kerala) hat die Stürme der Zeit überdauert.

Auch in ihrer angestammten Heimat im Irak waren die assyrischen Christen Verfolgungen ausgesetzt: Ihre Zahl nimmt stetig ab.

 

G Armenischer Ritus:

Der armenische Ritus ist eine Vereinigung aus antiochenischer (kappadokischer) und hierosolymatischer Liturgie.

Im 13. Jahrhundert wurden die armenischen Gottesdienste dem römischen Ritus angeglichen (romanisiert).

Im Gegensatz zu den benachbarten Georgiern, welche das Konzil von Chalkedon (451) im 6. Jahrhundert annahmen, lehnten die Armenier dieses Konzil ab.

 

H Ambrosianischer Ritus:

Im Laufe der Geschichte wurden die ambrosianischen Gottesdienste immer mehr der römischen Tradition angepaßt.

Der ambrosianische Ritus wird bis auf den heutigen Tag in der Diözese Mailand gefeiert.

 

I Keltischer Ritus:

Er verbreitete sich in Irland, Großbritannien und der Bretagne.

Im keltischen Ritus lassen sich gallische, altspanische, koptische und römische Einflüsse nachweisen.

Über Jahrhunderte wurden immer wieder Versuche unternommen, keltische Sondertraditionen abzuschaffen, und die römische Praxis einzuführen.

Der keltische Ritus wurde endgültig im 12. Jahrhundert aufgegeben. Viele Diözesen übernahmen die Litugie von Salsbury (Sarum-Usus).

Diese beeinflußte später das Common Prayer Book der anglikanischen Kirche.

 

J Gallikanischer Ritus:

Der gallikanische Ritus wurde unter den Karolingern verboten, um gleichzeitig die römische Messe im ganzen Frankenreich durchzusetzten.

 

K Altspanischer Ritus:

Über Umwege fanden Texte des altspanischen Ritus auch Eingang in die römische Liturgie (z. B. Pontifikale).

Im 11. Jahrhundert wurde der altspanische Ritus verboten.

 

L Nordafrikanischer Ritus:

Nordafrikanische Kirchenväter (Tertullian, Cyprian, usw.) hatten in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten großen Einfluß auf Rom (und deren Liturgie)!

Es sind nur wenige Zeugnisse (z. B. Schriften des Augustinus) über die nordafrikanischen Gottesdienste erhalten geblieben.

Die blühende Kirche Nordafrikas wurde durch den Vandaleneinfall (5. Jahrhundert) geschwächt, und mit der Ausbreitung des Islams (7. / 8. Jahrhundert) ausgelöscht.

 

Unierte Kirchen:

Die römische Kirche hat im Laufe der Geschichte immer wieder Versuche unternommen, Ostkirchen dem Primat des Papstes zu unterwerfen.

Sie hat erreicht, daß aus allen Ostkirchen einzelne Gruppierungen ihre Kirche verlassen, und sich dem Stuhl Petri unterstellt haben.

Diese unierten Kirchen konnten ihre – romanisierten – Gottesdienste und Traditionen weiterhin pflegen.

Die katholischen Ostkirchen erschweren gegenwärtig die Ökumene zwischen den orthodoxen Kirchen und Rom.

 

Unterschiede:

Die einzelnen Riten unterscheiden sich - auch wenn sie Ähnlichkeiten untereinander aufweisen - u. a. in folgenden Punkten:

- Aufbau und Form der einzelnen Gottesdienste

- Gottesdienstsprache

- Kirchengesang

- Kirchenkalender

- Leseordnung

- Gewandung der Geistlichen

- usw.

 

 

GEGENWART:

 

Gegenwärtig feiert etwa die Hälfte der christlichen Weltbevölkerung im römischen Ritus Gottesdienst, und circa jeder zwanzigste Christ nach byzantinischer Tradition.

1-2% der Christen gehören einem der „Altorientalischen Riten“ an.

 

Etwas mehr als 97% der Katholiken betet nach römischem Ritus. Diese nennen sich deshalb auch „römisch-katholisch“!

 

Besonders die ostkirchlichen Christen wurden wegen ihres Glaubens verfolgt und getötet.

Sie waren und sind den Wechselfällen der Geschichte (z. B. wechselnde Herrschaftsverhältnisse) besonders ausgeliefert.

Sehr viele orientalische Christen haben ihre Heimat verlassen und sind ins Ausland (z. B. Amerika) abgewandert.

 

Auflistung von Ostkirchen und deren Ritus:  

 

 

 

Kommunionsgemeinschaften:

 

1 Katholische Ostkirchen

2 Byzantinisch-orthodoxe Kirchen

3 Orientalisch-orthodoxe Kirchen

 

Viele Bücher der katholischen Ritenkreise wurden im 20. Jahrhundert restauriert, überarbeitet und neu herausgegeben.